Zürich - Stockholm - Zürich

Linienpilot? Oder Militärpilot? Das fragen sich viele, die Fliegen zu ihrem Beruf machen wollen. «Sowohl als auch», sagt Stephan «Ali» Allemann. Er hat beim Militär fliegen gelernt und dann in die Zivilluftfahrt gewechselt. Wobei er nach wie vor als Milizpilot bei der Luftwaffe tätig ist. Heute fliegt er einen Airbus A-320 der SWISS von Zürich nach Stockholm und zurück.

«Die Stimmungen, die wir von hier aus erleben, sind einmalig.»Stephan Allemann

Der Tag beginnt früh – kurz nach fünf Uhr mit dem Meteo-Check und dem ersten Pilotenbriefing im Operation Center des Flughafens Zürich-Kloten. Copilot ist heute David Köckeritz, er war gestern in London. Die Maschine mit der Immatrikulation HB-IJX landete am späten Abend, sie kam aus Düsseldorf. «In Stockholm ist eine von drei Pisten geschlossen», sagt Stephan Allemann, der Captain. Und: «145 Passagiere haben wir heute an Bord.» Er bestellt den nötigen Treibstoff (8,7 Tonnen), dann geht’s zum Briefing mit der Cabin-Crew.

Die Routine – und das Unerwartete

Halb sieben: Preflight-Check im Cockpit. Stephan Allemann programmiert die Flugroute. Er übernimmt als Pilot flying das Steuer nach Stockholm «Der Autopilot ist fast wie der Tempomat im Auto», sagt er. Viertel vor sieben: Engine-Start und Pushback. «Auf bald, bye-bye», sagt der Mann am Boden. Im Cockpit läuft alles wie am Schnürchen, wortlos meist. Professionalität ist der Ausdruck, der die ruhige Atmosphäre prägt. Der Start erfolgt mit 129 Knoten auf Piste 32. Fast unbemerkt heben wir ab und steigen langsam auf 38‘000 Fuss, also gut 11‘000 Meter über Meer. Die Kabinen-Chefin bringt Kaffee, alles wirkt wie Routine. «Ja», sagt Ali, «im Zentrum stehen die Standard Operating Procedures, aber wir bereiten uns gleichzeitig immer auch auf das mögliche Unerwartete vor.» Jetzt fliegen wir rund 1’000 Kilometer geradeaus – derweil plant der Copilot bereits den Rückflug.

«Ich will immer sagen können: Ich gehe fliegen. Nicht: Ich gehe arbeiten.»
Stephan Allemann

Hin – und zurück

Rechts geht die Sonne auf, unten ist Berlin. «Die Stimmungen, die wir von hier aus erleben, sind einmalig», sagt Ali. Links ist ein anderes Verkehrsflugzeug sichtbar – «der fliegt 1’000 Meter höher». Um halb neun leitet Captain Allemann den Sinkflug ein. Runway 26 wird uns zugeteilt, jetzt schüttelt es ein wenig. Wir tauchen in die Wolken ein, das Fahrwerk wird ausgefahren. Da: die Piste. «Threehundred», sagt der Bordcomputer, 50, 40, 10 – kurz vor neun Uhr setzen wir auf. Ali parkiert den Airbus beim Gate Nr. 16, dann verabschiedet er sich von seinen Fluggästen. Kurz darauf begrüsst er 105 neue Passagiere zum Flug Swiss 1249 nach Zürich.

Talent und Persönlichkeit

«Talent ist wichtig für diesen Beruf», sagt Ali, «und Persönlichkeit. Wir tragen eine grosse Verantwortung, aber wir werden auch super ausgebildet. Immer wieder.» Jetzt gibt’s für ihn etwas Kleines zu essen, derweil ist es der Copilot, der fliegt und funkt. Wir sind mit 810  Kilometern pro Stunde unterwegs, 11‘582 Meter über Meer. Stephan Allemann wirkt zufrieden. «Ich will immer sagen können: Ich gehe fliegen. Nicht: Ich gehe arbeiten.» Seine Laufbahn begann Stephan Allemann einst als Militärpilot und wechselte nach ein paar Jahren in die zivile Aviatik. Aufgrund seiner Ausbildung bei der Luftwaffe fliegt er als Milizpilot noch immer sechs Wochen pro Jahr Einsätze auf dem Kampfjet. «Ich habe das grosse Glück, das Beste aus beiden Welten zu geniessen. Die militärische Fliegerei war definitiv ein hervorragendes Fundament für meine fliegerische Karriere.» Kurz nach zwölf Uhr landen wir in Zürich. «Fünf Minuten zu früh», sagt der Captain und schmunzelt. Er füllt das Logbuch aus und bereitet das Flugzeug für den Weiterflug nach Venedig vor. Ein Kollege wird übernehmen, Stephan Allemann ist jetzt drei Tage lang Reserve. Um dann wieder Vollgas zu geben – in einem zivilen, oder einem militärischen Jet.

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