Über dem Meer statt über den Alpen

Als Schweizer mit einer F/A-18 auf dem Deck eines US-amerikanischen Flugzeugträgers landen? Und von dort ins Blau über dem weiten Meer starten? Doch: Auch dies ist bei der Schweizer Luftwaffe möglich. Drei Jahre lang hat der 38jährige Hornet-Pilot Andreas „Nuk“ Kuhn aus Adligenswil diese einmalige Erfahrung als Austauschpilot in Virginia Beach gemacht.

«Ich konnte meinen Rucksack also nicht nur mit fliegerischen Highlights füllen, sondern habe auch neue, wertvolle Einblicke in die moderne Luftkriegsführung erhalten.»Andreas Kuhn

Die Start- und Landepiste ist bloss 70 Meter lang und nur wenig breiter als die Spannweite des Flugzeugs. Und sie bewegt sich auf und ab, und rechts weg. Denn diese Piste ist das Deck des Flugzeugträgers USS Dwight D. Eisenhower. „Hier zu landen, gilt als etwas vom Schwierigsten, was die Aviatik zu bieten hat“, sagt Nuk. „Fliegt man zu tief, schlägt man im Extremfall am Heck des Schiffs auf, ist man zu hoch, erwischt der Fanghaken keines der Kabel und man muss durchstarten.“ Im Übrigen gelte es, das heikle Prozedere auch nach langen Missionen und nachts bei schlechtem Wetter zu beherrschen. Kein Wunder also, dass auch der (mit rund 3000 Flugstunden) erfahrene Schweizer Pilot und Fluglehrer  vor dem ersten Mal „etwas angespannt“ war, wie er erzählt. Seine Erfahrung aber war äusserst positiv: „Unglaublich - unbeschreiblich.“

«Hier zu landen, gilt als etwas vom Schwierigsten, was die Aviatik zu bieten hat.»Andreas Kuhn

Gleiches - und Neues

Die Landung, die auch als „kontrollierter Absturz“ bezeichnet wird, und der Katapult-Start, der das Flugzeug innerhalb von 2 Sekunden auf 270 Stundenkilometer beschleunigen hilft: Diese beiden Elemente sind also für einen Vertreter der Schweizer Luftwaffe einmalige Erlebnisse. Vieles jedoch sei für einen Jetpiloten in den USA gleich wie in der Schweiz: „Das Flugzeug, die Handbücher - und die Kameradschaft. An den Slang der Amerikaner musste ich mich allerdings zuerst gewöhnen.“ Neu waren für Andreas Kuhn auch die Distanzen. „Von der Schweiz aus fliegen wir in einem Flug nach Norwegen oder Schottland. Wenn ich in den USA eine F/A-18  von Virginia Beach nach Kalifornien pilotiere, sind dies drei Flüge mit zwei Zwischenstopps zum Tanken.“

Andere Dimensionen

Ja, die Dimensionen. „Unsere Staffel, die VFA-106, ist mit über 1000 Angehörigen, darunter über 100 Schülern pro Jahr in der Erstausbildung, mehr als 60 Fluglehrern und unzähligen erfahrenen Navy-Piloten ein gigantischer Apparat“, berichtet Nuk. „Pro Tag fliegen wir bis zu 100 Einsätze - das sind schon andere Zahlen als ich mir von der Schweiz her gewöhnt bin.“ Neben seiner Tätigkeit als Fluglehrer arbeitet Nuk aber auch in der Einsatzplanung für die Staffel, die sich stolz „Gladiators“ nennt. „Ich verbringe jeweils zwei Tage damit, die Einsätze eines Tages zu disponieren. Deshalb witzeln wir manchmal, wir seien wohl eine der grössten Luftwaffen der Welt.“

Luft- und Erdkampf

Anders als in der Schweiz hat Nuk in den USA auch gelernt, die F/A-18 im Erdkampf einzusetzen, „inklusive Luft-Nahunterstützung von Sondereinsatzkräften. Oft trainieren wir mit holländischen Kollegen oder mit US Navy Seals. Ich konnte meinen Rucksack also nicht nur mit fliegerischen Highlights füllen, sondern habe auch neue, wertvolle Einblicke in die moderne Luftkriegsführung erhalten.“  
Gleich sei für Militärpiloten auf der ganzen Welt das Motto „höre nie auf, zu lernen.“ Bei ihm selber hat dieser lange Prozess 1998 mit einem Segelflugzeug in Amlikon begonnen. Piloten-RS und -UOS absolvierte er auf der PC-7, die Pilotenschulen I und II auf dem Schulflugzeug Hawk.  Dann folgten die F-5 - und eben die F/A-18, die ihn bis nach Virginia Beach und auf einen US-amerikanischen Flugzeugträger brachten.
„Militärpilot ist der faszinierendste Beruf, den ich mir vorstellen kann“, sagt Nuk. Und freut sich darauf, seine Hornet jetzt wieder in den Alpen zu fliegen.

Alle Bilder © Simon Vogt