Sprung ins Unbekannte - Reportage

Der PC-6 erreicht die Absetzhöhe auf 4'000 Metern über Meer. Die Flugzeugtüre öffnet sich und kalte Luft strömt herein, es riecht nach Kerosin. Ein Geruch, den Stefan noch lange mit der Anspannung verbinden wird, die er in diesem Moment spürt. Sein Tandem-Master gibt ihm ein Zeichen. Über ihm der Himmel, weit unten die Erde. Dann springen sie.

«Ich kam, weil mich das Fallschirmspringen faszinierte, aber ich blieb wegen den Menschen.»
Stefan

Stefan ist 14 Jahre alt, als ihm ein Bekannter der Familie von den SPHAIR Fallschirmkursen erzählt. «Ich hatte schon immer ein Flair fürs Unbekannte und wollte wissen, wie weit ich es schaffe», sagt er. Mit 16 meldet er sich an, besteht das Screening und nimmt am ersten zweiwöchigen SPHAIR Sprungkurs teil. Es ist der Beginn einer Leidenschaft. «Ich kam, weil mich das Fallschirmspringen und die Challenge faszinierten,» erinnert sich Stefan «aber ich blieb wegen den Menschen.» Die Instruktoren, die meisten selbst Fallschirmaufklärer, erlebte er als hart, aber fair, als fordernd und doch fürsorglich, als echte Vorbilder. Und unter den Kursteilnehmern entstand eine Kameradschaft, aus der enge Freundschaften hervorgingen. Das meinen die Paras, wenn sie von ihrem besonderen Spirit sprechen.

Grenzerfahrungen in der Luft und am Boden

Doch die SPHAIR Sprungkurse waren nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. «Die militärische Ausbildung zum Fallschirmaufklärer ist so vielfältig und spezialisiert wie in kaum einer anderen Milizfunktion», sagt Stefan. Sie umfasst nebst dem militärischen Fallschirmspringen auch Einzelkämpferausbildung, Survival-Training, Gebirgsdienst, eine medizinische Ausbildung und vieles mehr. Und immer wieder geht es um Grenzerfahrungen. Zum Beispiel, wenn die angehenden Fallschirmaufklärer bei einer Nachtübung mit vollem Rucksack ins Dunkle springen. Oder wenn sie zwei Wochen völlig auf sich allein gestellt in der Wildnis überleben müssen. «Der Kopf sagt bald einmal Stopp, aber der Körper macht immer noch weiter », erzählt Stefan.

«Fallschirmaufklärer bleibt man ein Leben lang.»Stefan

Für den Ernstfall gerüstet

Wer diese harte Prüfung besteht, wird als Mitglied der Fallschirmaufklärer Kompanie 17 brevetiert. Ihre Aufgabe ist es, im Ernstfall in Interessengebieten der Armee Informationen zu beschaffen. Infiltriert wird dabei je nach Gelände nicht nur per Fallschirm, sondern auch mit Fahrzeugen, Schlauchbooten, Schneeschuhen oder anderen Mitteln. Danach ist die Patrouille, bestehend aus vier bis sechs Mann, bis zu zwei Wochen autonom für die Aufklärungsmission im Einsatz und verlässt das Gebiet anschliessend ungesehen und ungehört.

Die Berufung zum Beruf gemacht

Aktuell ist Stefans grosse Leidenschaft auch sein Job – er arbeitet als Zeitmilitär beim Fallschirmaufklärer-Lehrgang und gibt als Instruktor den Para-Spirit selbst weiter. «Die Arbeit mit jungen, motivierten Leuten macht unheimlich viel Spass und es ist ein Privileg, ihnen etwas auf den Lebensweg mitgeben zu können», erzählt er. Die Matura und die Lehre als Zimmermann geben ihm ein gutes Fundament für die weitere berufliche Laufbahn. Denn mit 42 Jahren wird er als Miliz-Fallschirmaufklärer ausgedient haben. Doch eines ist für Stefan klar wie die Luft auf 4'000 Metern über Meer: «Fallschirmaufklärer bleibt man ein Leben lang.»

Zur Webseite der Fallschirmaufklärer Kompanie 17

Fallschirmaufklärer werden