Von der Weltraum- zur Helikopterpilotin

Murielle von Büren träumte schon immer von einem Beruf in der dritten Dimension. Mit 16 schlug sie den Weg zur Astronautin ein und entdeckte unterwegs ihre wahre Berufung: Militärpilotin. Auch als Helikopterpilotin bei der Schweizer Luftwaffe steigt sie immer weiter auf, ohne ins Weltall zu fliegen.

«Der erste Flug war wie eine Spritze und der Virus drin.»
Murielle von Büren

Sie bedient hochkomplexe Maschinen, arbeitet beim Militär und übernimmt demnächst eine Führungsposition. Murielle von Büren verkörpert in vielerlei Hinsicht eine erfrischende Alternative zum klassischen Rollenbild. Eines stellt sie jedoch von Anfang an klar: Auf ihren untypischen Werdegang wird sie vor allem von Externen angesprochen. «Luftwaffen-intern, unter Kollegen und Vorgesetzten, ist es überhaupt kein Thema, dass ich eine der wenigen Frauen in diesem Beruf bin», erzählt sie. In der Selektion geht es darum, die geeignetsten und kompetentesten Anwärterinnen und Anwärter zu finden. Da haben Geschlechterstereotypen offensichtlich keinen Platz.

«Als Staffelkommandantin werde ich mehr administrative Aufgaben haben, aber ich bin bereit für diesen Schritt.»
Murielle von Büren

Astronautin, Lehrerin, Helikopterpilotin

Als Kind wollte sie Astronautin werden. «Am besten machst du es wie Claude Nicollier, studierst Astrophysik und wirst Pilotin», schlug ihr Onkel vor. Dieser meinte es ernst und erinnerte sie mit 16 daran, sich bei der Fliegerischen Vorschulung FVS – heute SPHAIR – anzumelden. «Der erste Flug war wie eine Spritze und der Virus drin», erzählt Murielle von Büren. Ihr Plan: Das Lehrerseminar absolvieren und dann zur Swissair mit dem Fernziel Astronautin. Doch das Grounding machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Wenig später traf sie per Zufall einen Kollegen aus der FVS wieder, der sie dazu inspirierte, in die Militärpiloten-Selektion einzusteigen. Sie absolvierte das Militär bis zur Offiziersschule, bestand alle Selektions- und Ausbildungsstufen und wurde als Berufsmilitärpilotin bei der Luftwaffe brevetiert.

Ein vielseitiger Alltag

Heute ist Murielle von Büren Staffelpilotin bei der Lufttransport Staffel 5 in Payerne, stellvertretende Staffelkommandantin und Fluglehrerin auf PC-7. In der Regel fliegt sie täglich ein bis zwei Einsätze mit dem Super Puma oder dem EC635. Ihre Missionen sind Truppen- und VIP-Transporte, Grenzwach- und Lastenflüge sowie Polizei-, Search-and-Rescue- und Löscheinsätze. Zudem hilft sie bei der Flugpsychologischen Eignungsabklärung aus und führt in diesem Rahmen Interviews mit Piloten-Anwärterinnen und -Anwärtern. Auch Auslandseinsätze gehören dazu, zum Beispiel für die KFOR im Kosovo. Und als Fluglehrerin auf dem PC-7 kann sie sogar ihren heutigen und früheren Beruf verbinden.

Die erste Staffelkommandantin

Demnächst wird sich ihr Aufgabenspektrum ein wenig verschieben. Murielle von Büren übernimmt das Kommando der Lufttransport Staffel 5, als erste Frau in der Schweiz. «Als Staffelkommandantin werde ich mehr administrative Aufgaben haben, aber ich bin bereit für diesen Schritt», sagt sie. Das, was sie an ihrem Beruf besonders schätzt, bleibt – das Fliegen, die Missionen, die Arbeit im Team. Und auch die Zeit mit ihrem Mann und den beiden Kindern. «Job und Familie unter einen Hut zu bringen, ist schon eine Challenge», sagt Murielle von Büren. Sie und ihr Mann, der ebenfalls Berufsmilitärpilot ist, haben sich mit einem Au-pair und Unterstützung aus dem Umfeld so organisiert, dass sich das berufliche und familiäre Engagement gut vereinbaren lässt. Und manchmal geht auch beides Hand in Hand: Zum Beispiel, wenn die Familie auch in den Ferien mit dem Flugzeug unterwegs ist und die Welt von oben entdeckt – Murielle von Büren oder ihr Mann natürlich selbst im Cockpit.

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