Allzeit bereit – im Dienste der Schweizer Bevölkerung

Die Luftwaffe betreibt im Auftrag des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) auf Grund internationaler Vereinbarungen eine Bereitschaft zur Suche von vermissten Luftfahrzeugen. Zu diesem Zweck steht ein speziell ausgerüsteter Super Puma mit Besatzung während 24 Stunden am Tag an 365 Tage im Jahr im Such- und Rettungs-Pikett (SAR) bereit. Die selbe Maschine kommt auch zum Einsatz um im Auftrag von Polizeikorps, in Not geratene Personen zu lokalisieren und zu retten. Oder um die Behörden in diversen anderen Einsätzen, wie zum Beispiel dem Grenzschutz, zu unterstützen.

«Die Piloten können mittels am Helm montierten Nachtsichtgeräten bei Dunkelheit fliegen und den Einsatz durchführen.»

An einem kalten Novemberabend meldet sich die Kantonspolizei Glarus beim Pikettoffizier der Schweizer Luftwaffe. Sie hat einen Notruf von ein paar Wanderer erhalten, welche in den Glarner Alpen im Schnee biwakieren wollten. Die Telefonverbindung riss abrupt ab, vermutlich war der Akku des Mobiltelefons leer. Die Situation ist unklar, nur Wortfetzen und ein paar Anhaltspunkte zum Standort sind der Polizei bekannt. Eine genaue Ortung durch das Mobiltelefon ist nur bei intaktem Akku möglich. Die Nacht ist bereits angebrochen und vielleicht ist eine Person verletzt.

Die Behörden von Glarus haben selber keine Möglichkeit aus der Luft und bei Nacht eine Personensuche durchzuführen. Für solche Fälle ist die Schweizer Luftwaffe jederzeit einsatzbereit. Der sogenannte SAR (Search and Rescue) Helikopter ist mit verschiedenen Geräten ausgestattet, welche es erlauben, auch bei Dunkelheit oder schlechten Wetterbedingungen eine Personensuche durchzuführen. Dazu verfügt der Helikopter über eine FLIR Kamera (Forward Looking Infrared), welche mittels Wärmebild und anderen Sensoren Personen in der Dunkelheit oder schwer zugänglichem Gelände aus der Luft lokalisieren kann. Zusätzlich verfügt das System über einen Hochleistungsscheinwerfer, der es erlaubt entdeckte Wärmequellen punktgenau zu identifizieren oder das Gelände unter taghellen Bedingungen abzusuchen. Die Piloten können mittels am Helm montierten Nachtsichtgeräten bei Dunkelheit fliegen und den Einsatz durchführen.

«Für solche Missionen sind wir ausgebildet. Es ist besonders erfüllend, wenn man dabei Menschenleben retten kann.»

An Bord des Helikopters befinden sich neben den beiden Piloten ein FLIR Operator der die Kameras und den Scheinwerfer bedient. Er ist auch der Mission Commander und gibt den Piloten bei der Suche Anweisungen zum Flugweg. Daneben sind zwei Loadmaster in den Funktionen als Windenoperateur und Rettungsflughelfer an Bord.  An der Konsole neben dem FLIR Operateur ist der Platz des speziell ausgebildeten fliegerischen Einsatzleiters der Polizei (FEL), er ist das Bindeglied zu den Bodenkräften, legt die Suchtaktik fest und unterstützt die Crew mit Orts- und Fallkenntnissen. Je nach Situation und Bedarf begleiten Rettungsspezialisten der Alpinen Rettung Schweiz den Einsatz. Nachdem der Einsatz mit allen involvierten Personen vorbesprochen wurde, startet der Super Puma in den Nachthimmel. Mit nur spärlichen Angaben der Hilfesuchenden, der Erfahrung der Polizei sowie der Hochleistungskamera des Super Puma, kann nach knapp einer Stunde Suchen ein Zelt im Schnee lokalisiert werden. Die Menschen darin geben klare Zeichen, dass sie sich in einer Notlage befinden. Eine Landung des Super Pumas ist im steilen Gelände nicht möglich, darum werden die Retter mit der Seilwinde abgeseilt. Dabei ist höchste Konzentration und Fingerspitzengefühl von den Piloten gefordert. Sie checken dabei kontinuierlich verschiedene Faktoren: Gibt es Hindernisse in unmittelbarer Umgebung? Wie ist der Wind? Sieht man das Terrain auf Grund des aufgewirbelten Schnees? Sind sämtliche Systeme des Helikopters innerhalb der Limiten? Reicht die Leistung?

Während die Rettung am Boden im Gange ist, unterstützt der FLIR Operator die Retter mit dem Scheinwerfer des Helikopters. Zum Glück ist niemand ernsthaft verletzt, eine Windenrettung kann somit durchgeführt werden. Da beim SAR Helikopter kein Notarzt mitfliegt, erfolgt in Fällen mit verletzten Personen die Bergung immer in Zusammenarbeit mit der REGA. Schnell, ruhig und professionell packen die Retter alles Equipment zusammen und schnallen die Personen an der Winde fest, damit sie in den Super Puma gehoben werden können. Nach dem alle Personen wieder an Bord sind, nimmt der Pilot Kurs auf die Luftwaffenbasis, wo die Polizei die Nachbearbeitung und Betreuung der Geretteten übernimmt. Zufrieden und glücklich über den geglückten Einsatz erledigt die Crew des Super Puma die administrativen Arbeiten nach der Mission, mittlerweile ist es bereits 01:34 in der Früh. SAR Einsätze werden in regelmässigen Trainings geübt, denn im Live-Einsatz müssen die Piloten zusammen mit der Crew das ganze Können innert Sekunden abrufen können.

"Für solche Missionen sind wir ausgebildet. Es ist besonders erfüllend, wenn man Menschenleben retten kann, egal bei welchem Wetter", sagt der Pilot; steigt in sein Auto und fährt wieder nach Hause zu seiner Familie.

Die Luftwaffe bildet FLIR Operators nur bei Bedarf aus, es gibt ca. alle 10 Jahre eine BOS (Bordoperateuren Schule).