Auf Friedensmission

Über Pristina geht gerade die Herbstsonne auf, als Lukas Leuenbergers Tag beginnt. Der Helikopterpilot der Schweizer Luftwaffe ist hier für die friedensfördernde Mission KFOR im Einsatz – gemeinsam mit rund 5’500 weiteren Armeeangehörigen aus 30 Nationen. Seit 1999 sorgen sie für Sicherheit und Stabilität im Kosovo.

«Wir dürfen nicht überall landen, denn noch heute liegen Minen und Blindgänger verstreut in den Feldern.»Lukas Leuenberger

Für knapp vier Wochen ist ein Containerbau auf dem internationalen Flughafen in Pristina Lukas Leuenbergers Zuhause. Hier, im Luftwaffen-Detachement der Schweizer Armee, leben und arbeiten neun KFOR-Freiwillige auf engstem Raum – zwei Helikopterpiloten, drei Mechaniker, zwei Logistikverantwortliche, ein Einsatzoffizier, ein Koch. Nebst seiner Funktion als Helikopterpilot leitet Lukas Leuenberger das Team. «Das heisst, ich bin auch für alles verantwortlich, was neben dem Flugdienst anfällt», erklärt er. Die Kosovo Force (KFOR) wurde nach Beendigung des Kosovo-Krieges 1999 ins Leben gerufen und steht unter der Leitung der NATO. Auch die Schweiz beteiligt sich, wie viele andere Nicht-NATO-Mitglieder, unter anderem mit einem Luftwaffen-Detachement, das den KFOR-Truppen für Transportflüge zur Verfügung steht. «Es sind jederzeit zwei bis drei Helipiloten der Schweizer Armee im Einsatz. Und es kann durchaus vorkommen, dass man Weihnachten hier feiert», lacht Lukas Leuenberger.

«Ich erlebe die internationalen Einsätze immer wieder als Horizonterweiterung.»
Lukas Leuenberger

Kommunikative und fliegerische Herausforderungen

Nach dem Frühstück geht es an die Vorbereitung des heutigen Einsatzes, ein Personentransport nach Sarajevo. «In der Regel stehen wir der KFOR für Truppen- und Lastentransporte, Erkundungs- und Versorgungsflüge, Feuerlöscheinsätze und VIP-Missionen zur Verfügung. Ein Flug ins grenznahe Ausland ist immer ein Highlight», sagt Lukas Leuenberger. Zu seinen «Kunden», wie er sie nennt, gehören Infanterietruppen, Aufklärungselemente und hochrangige militärischen VIP. Täglich ist er mit unterschiedlichsten Menschen aus der halben Welt in Kontakt. Und nebst kommunikativen gibt es auch fliegerische Herausforderungen: Verlässliche Wettervorhersagen, Webcams und gutes Kartenmaterial stehen kaum zur Verfügung. «Ausserdem dürfen wir nur auf Plätzen landen, die von Spezialisten freigegeben sind, denn noch heute liegen im Kosovo Minen und Blindgänger verstreut in den Feldern», erklärt der Pilot.

Die Kameradschaft fliegt mit

Und dann startet der Super Puma. Von Pristina führt die Flugroute über Serbien Richtung Sarajevo, über karge Hügellandschaften, farbige Herbstwälder, kleine Dörfer und Grossstädte. «Deshalb mag ich diese Flüge ins Ausland – der Blick auf unbekannte, wunderschöne Landschaften aus der Luft ist überwältigend», sagt Lukas Leuenberger. Er leitet diesen Einsatz – doch die Teamarbeit steht für ihn im Vordergrund. «Unser kleines Team lebt und arbeitet während Wochen auf kleinstem Raum, da wächst man zusammen wie eine Familie», erklärt er. «Dieser Zusammenhalt, auch ausserhalb des Flugdiensts, ist für den Missionserfolg entscheidend.» Zurück im Camp wird der Helikopter von den Mechanikern gewartet. Die Piloten besprechen und analysieren die vergangenen Einsätze und beginnen oft schon mit der Vorbereitung der nächsten. Und auch wenn die Arbeitstage im Kosovo lang sind: «Ich erlebe die internationalen Einsätze immer wieder als Horizonterweiterung und Abwechslung zu meinem Alltag als Berufsmilitärpilot in der Schweiz», sagt Lukas Leuenberger. Nach dem Abendessen bleibt Zeit für Sport, einen Jass oder um fernzusehen. Der Detachements-Chef setzt sich nochmals an den Schreibtisch – auch das Administrative gehört zu seinem Job. Und dann, nach einem über 12-stündigen Arbeitstag, macht auch er Feierabend. «Off duty», wie das hier heisst.

Pilot werden