Gruppenbild in einem Flugkurs mit Fluglehrer und Istruktoren
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Erfahrungsbericht aus Locarno (Kurs 1-01-26)

News aus dem Süden der Schweiz direkt aus unserem SPHAIR Flugkurs

Ankunft in Locarno (Ostersonntag): Nach dem Marsch vom Bahnhof Riazzino zum Flugplatz Locarno, wo sich drei Teilnehmende schon kennengelernt hatten, wurden wir um 16:00LT von den Fluglehrern Silvio und Stefan herzlich begrüsst. Ohne grosses Zögern konnten wir direkt unsere nagelneuen Zimmer im Neubau der Aelo-Flugschule beziehen wo uns ein Schokoosterhase empfing und nahmen anschliessend im Theorieraum Platz. Nachdem die Ämtli verteilt und der administrative Teil erledigt war stand auch schon die Eintrittsprüfung über den vorgängig gelernten Stoff an. Das war der erste und letzte Teil in dem wir als Einzelkämpfer funktionierten. Von da an zogen wir alle am gleichen Strang, um unserem Traum Berufspilot zu werden, näherzukommen. Noch vor dem Abendessen durften wir die Flugzeuge des Typs Tecnam P2008 JC MK2 kennenlernen, die Bedienungselemente anschauen und erste Checks üben. Nach dem Abendessen im Ristorante Aeroporto sichteten wir im Selbststudium Checklisten und Kartenmaterial.

Ostermontag: Nach der ersten Nacht wurde uns freundlicherweise das Frühstück von Stefan vorbeigebracht, da die Militärkantine aufgrund von Ostern noch geschlossen war. Danach ging es direkt los: erster Walkaround, Preflight, Flugzeuge tanken und an die Parkposition schieben. Es folgte ein kompakter Theorieblock über Taxiway-Markierungen, AD-Karten sowie die Abläufe bei Level-offs, Sink- und Steigflügen. Nach dem ersten Meteobriefing rollten die ersten bereits Richtung Piste 26 rechts und starteten in die definierten Sektoren. Nach dem Debriefing gab es gleich das Briefing für Flug 2 am Folgetag sowie Theorie zum Kurvenflug. Nebenbei wurde auch der Flugplan für den nächsten Tag angepasst, da das PC-7 Display Team über Locarno trainierte und den Luftraum beanspruchte. Nach dem Nachtessen bereiteten wir Flug 2 vor und gingen nicht allzu spät schlafen um erholt in den nächsten Morgen zu starten.

Dienstag: Die Zeiten am Morgen wurden langsam sportlicher. Frühstück gab es um 07:00LT in der nur 100 Meter entfernten Militärkaserne. Ab halb acht folgte das Meteobriefing, diesmal bereits von uns vorbereitet. Um 08:00LT hiess es dann: Flugzeuge bereitmachen. Neu hatten wir im Theorieraum auch ein Funkgerät, um die Kollegin und Kollegen am Funk zu hören. Die ersten Flüge starteten früh Richtung Brissago, um vor der Luftraumsperre wieder am Boden zu sein. Die anderen verfolgten diesen Flug live auf Flightradar24 und beobachteten welche Elemente wo durchgeführt wurden. Danach genossen wir das PC-7 Training aus nächster Nähe. Sobald der Luftraum wieder frei war, nahmen auch wir wieder den Flugbetrieb auf. Nach dem herrlichen Mittagessen bei Gigi (inklusive Nachbarschaft zu den PC-7 Piloten) folgten weitere Flüge sowie Theorie zu Slipstream-Effekt und P-Faktor. Anschliessend wurde Flug 3 vorbereitet. Ab diesem Tag wurden wir mit einer Ausnahme durchgehend in der Kaserne verpflegt.

Donnerstag: Am Donnerstag lief alles schon deutlich effizienter. Ziel war es, möglichst früh in die Luft zu kommen. Die ersten gaben bereits um 08:30LT auf der Piste Vollgas. Heute standen gleich zwei Flüge an. Der frühe Start machte sich bei einigen bemerkbar. Kurze Powernaps wurden sehr attraktiv. Beim zweiten Flug war dann volle Konzentration gefragt. In den anschliessenden Besprechungen wurde klar, dass manche Fehler machten, welche vorher noch nicht vorgekommen sind. Der häufigste Fehler war, dass Checks vergessen wurden. Nach dem Tanken gab es Abendessen in der Kaserne. Anschliessend übten wir intensiv die Platzrunden und Go-Around Procedures, teilweise mehrmals zu Fuss „abgelaufen“. Sah vermutlich von aussen etwas speziell aus, hat aber sehr geholfen.

Freitag: Das Meteobriefing war heute etwas länger, da wir erstmals etwas Wolken in der näheren Umgebung hatten. Zudem schauten wir an wie grosse Abstände wir zu diesen halten müssen sowie welche Mindestflughöhen eingehalten werden müssen. Während einige bereits im Cockpit sassen, bekamen wir Besuch von unserer P&S FI, welche mit jedem ein Interview führte. Nach den Flügen und Debriefings hielte sie einen spannenden Vortrag über die verschiedenen Wege und Berufe in der Schweizer Luftwaffe. Zum Schluss folgte noch ein letzter Theorieblock über Vergaservereisung und Magnetos. Einige machten sich direkt auf den Weg in Richtung zuhause, während zwei sich entschieden, noch übers Wochenende in Locarno zu bleiben und die Umgebung auszukundschaften. Definitiv nicht eine schlechte Wahl.

Fugzeug in der Luft während eines Flugkurs
Foto: Kandidat Flugkurs

Zweite Woche

Sonntagabend: Am Sonntagabend trudelten die ersten um 18:00LT wieder im AELO-Gebäude ein und assen gemeinsam im Ristorante zu Abend. Die fehlenden zwei stiessen etwas später zu uns. Um Stefan und Silvio mitzuteilen, dass wir gesund und komplett eingerückt sind, schickten wir ihnen ein Bild von uns in nun bekannter Umgebung des Theorieraums. An diesem Abend zeigten sich schon mehrere dichte und tiefe Wolken in der Umgebung.

Montag: Der Wetterbericht war deutlich „voller“ als in der Woche zuvor. Am Morgen hingen die Wolken tiefer als unsere Platzrunde, weshalb das Flugprogramm auf den Nachmittag verschoben wurde. Den Vormittag nutzten wir für Theorie zu Stalls und Steilkurven. Am Nachmittag verzogen sich die Wolken ausreichend, sodass wir die Platzrunden fliegen konnten. Flightradar24 erwies sich besonders bei der Nachbearbeitung als hilfreich, um die Platzrundengeografie zu überprüfen. Am Abend begannen wir gemeinsam mit Stefan die Planung von Flug 9, dem Navigationsflug nach Lugano via Verbania und Varese. Die Theorie dazu erarbeiteten wir parallel zu aufkommenden Fragen.

Dienstag: Das Wetter zeigte sich diesen Morgen wieder von der guten Seite und die Flüge zu Stalls, Steilkurven konnten wie geplant in den Sektoren durchgeführt werden. Die Fluglehrer demonstrierten die Manöver zuerst, danach durften wir üben und wurden anschliessend geprüft. Zum Schluss des Fluges zeigten die Fluglehrer zudem «Evolutionen» vor. Das war definitiv der Höhepunkt dieses Fluges. Den Abend verbrachten wir mit dem Vorbereiten des Navigationsflug. Es musste auch geplant werden, wann welche Checks durchgeführt werden sollten. Motto war: «Was gmacht isch, isch gmacht». Also je früher die Checks beendet sind, desto mehr Kapazitäten hat man im Anflug.

Mittwoch: Das Highlight jedes Kurses stand vor der Tür: Der Navigationsflug Flug 9 und 10. Nicht alle flogen exakt dieselbe Strecke, einige mussten aus Zeitgründen etwas abkürzen. Wenn man in den vorherigen Flügen immer etwas länger geflogen ist, waren die Navigationsflüge nun etwas kürzer. Je effizienter man also geflogen ist, desto länger ist nun der Navigationsflug. Der Flug über den Lago Maggiore war wunderschön. Über dem Ippodromo von Varese ging es Richtung Capolago und Morcote. Je nach Verkehr erfolgte der Anflug unterschiedlich. Nachdem wir das erste Mal im Anflug PAPI Lichter gesehen haben, besuchten wir am Boden das neue C-Büro. Nach einer Pause ging es wieder auf den Heimweg. Da die Strecke von Lugano nach Locarno kurz ist, war ein Abstecher zum Ritomsee geplant. Aufgrund der Zeit haben einige nach dem Überfliegen des Ceneris direkt in den Einflug eindrehen müssen und nur jemand schaffte es bis zum zugefrorenen Ritomsee. Während diesen langen Flügen besuchten die anderen am Boden die REGA-Basis mit dem neuen Helikopter. Als alle wieder am Boden waren, bereiteten wir uns für den Kontrollflug am nächsten Tag vor. Silvio zeigte uns anschiessend noch spannende Einblicke, Vor- sowohl als auch Nachteile, vom Alltag und der Laufbahn als SWISS-Pilot.

Donnerstag: An diesem Morgen waren alle «giggriger» als bei den vergangenen Flügen. Das Wetter zeigte sich von der besten Seite, sodass keine Änderung am Flugablauf gemacht werden mussten. Folgend den kurzen Vorträgen über die Umgebung und über den Flugzeugtyp gehalten haben, hiess es abliefern, was wir gelernt hatten. Während jeweils nur eine Person flog, beschäftigten sich die anderen mit Logbüchern. Zur Feier verschoben wir nach Ascona und genossen den Abend. Spät kehrten wir zurück zufrieden, aber auch gespannt auf die Qualifikation am nächsten Tag.

Freitag: Der einzige Tag, an dem wir am frühen Morgen nicht schon einen durchgetakteten Zeitplan hatten und uns für das Frühstuck etwas mehr Zeit nehmen konnten. Am Vormittag folgte die Qualifikation. Unabhängig vom Ergebnis waren es zwei intensive, lehrreiche Wochen. Die Tage waren streng, aber jede Erfahrung hat sich gelohnt. Wir danken vielmals unseren beiden Fluglehrern, Gigi, Koch der Militärkaserne sowie der SPHAIR Verantwortlichen von AELO welche uns immer mit genügendem Zwipf versorgt hat :).

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